Bedarf
Arbeitskraftabsicherung ist bereits bei einer langwierigen Erkrankung erforderlich, die länger dauert als die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.
Bereits ab dem 43. Tag muss ein Arbeitnehmer mit Einkommenseinbußen rechnen. Denn das Krankengeld einer Gesetzlichen Krankenkasse beträgt meist lediglich 70% vom Bruttoeinkommen, abzüglich Sozialversicherungsbeiträge. Dieser Einkommensverlust lässt sich, abhängig vom Einkommen, oftmals ein oder zwei Monate überbrücken. Bei längeren Krankheiten kann eine Krankentagegeldabsicherung bereits für wenige Euro diese Lücke schließen.
Bei Gutverdienenden, die mit ihrem Einkommen die sog. Beitragsbemessungsgrenze von jährlich 69.750 € übersteigen, vergrößert sich die Lücke mit jedem Euro, der über dieser Grenze verdient wird.
Bei dauerhaften Erkrankungen oder nach einem Unfall, der die Arbeitskraft länger einschränkt, gibt es verschiedene Auswahlmöglichkeiten.
In Deutschland beziehen derzeit über 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Jährlich werden rund 350.000 neue Anträge gestellt. Statistisch betrachtet wird etwa jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig.
Für Menschen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, wurde die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente faktisch abgeschafft. Sie erhalten nur noch eine zweistufige Erwerbsminderungsrente mit stark reduzierten Leistungen. Dabei wird nicht berücksichtigt, welchen beruflichen Status und welche berufliche Qualifikation der Betroffene zuvor besaß. Die volle Höhe der Erwerbsminderungsrente – das sind lediglich rund 34 % des letzten Bruttoeinkommens – gibt es nur, wenn der Erkrankte oder Verunglückte nur noch weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Die Erwerbsminderungsrente kann in Abhängigkeit vom Umfang der Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung höher, aber auch deutlich niedriger ausfallen.
Es gibt Berufe, bei denen das hohe Risiko einer Berufsunfähigkeit offensichtlich ist: z. B. bei Dachdeckern oder Fliesenlegern. Wer beispielsweise viel am Schreibtisch arbeitet, glaubt deshalb häufig, er könne gar nicht berufsunfähig werden. Doch dieser Eindruck täuscht: Statistisch wird etwa jeder vierte Erwerbstätige im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig. Die Ursachen haben sich dabei deutlich gewandelt. Neben Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie Herz- und Kreislauferkrankungen zählen heute vor allem psychische Belastungen zu den häufigsten Auslösern. Gerade sie betreffen Menschen in Büroberufen besonders stark. Damit wird deutlich: Berufsunfähigkeit ist kein Risiko, das nur körperlich tätige Berufe betrifft.